Das vorliegende Spiel stammt vom Autor Uwe Rosenberg. Es ist aber kein neues Spiel sondern erschein erstmals bereits 2009. Also zeitlich nach Agricola und Le Havre, aber vor Ora et Labora oder Caverna. Wichtig zu wissen ist dabei aber, dass es eigentlich bereits 2005, also vor den Erfolgen von Agricola und Le Havre erfunden wurde. Interessant ist das vor allem für die Einordnung der Entwicklung von Mechanismen und Idee. Welche Ideen hier aus wieder verwendet werden und welche neu auftauchen, die später weiter entwickelt wurden. Ohne zu sehr vorweg zu greifen kann man sicher sagen, dass dieses Spiel ein recht typisches Rosenberg-Spiel ist.

Spielablauf

Die Spieler sind in diesem Spiel Bauern im alten China vor 2000 Jahren, die Gemüse anbauen und dann selber auf dem Markt verkaufen. Dazu gibt es eine Erntephase im Spiel. In dieser können die Spieler ihre Gemüsesorten von den vorher bepflanzten Feldern ernten. Dabei kann auf jedem Feld immer nur eine Sorte Gemüse geerntet werden die man vorher gepflanzt hat. Und es kann auch immer nur ein Stück dieses Gemüses geerntet werden. Die Felder sind dabei unterschiedlich groß, also muss man immer entscheiden welche Sorte man auf welchem Feld pflanzt.

In der dann folgenden Kartenphase erhalten alle Spieler zwei Karten und es wechselt gegebenenfalls der Startspieler. Die Verteilung der Karten erfolgt dabei über den Hof in den so lange Karten gelegt werden bis sich die Spieler nach und nach entscheiden eine Karte von dort zu nehmen und so für sich die Verteilungrunde zu beenden.

Die nun folgenden Aktionsphase ist der eigentlich Kern des Spiels. Hier können die Spieler Saatgut aussäen, Waren im Laden kaufen, Waren im Laden verkaufen, Markstände nutzen, Helfer einsetzen und Stamm- oder Laufkunden bedienen. Alle diese Aktionen können von den Spielern in beliebiger Reihenfolge ausgeführt werden. Jeder Spieler führt aber alle seine Aktionen nacheinander aus, bis er fertig ist. Erst dann ist der nächste Spieler dran. Am Ende der Aktionsphase müssen alle nicht benutzten Waren eingelagert werden und der Wertungsstein kann auf dem Wohlstandspfad verschoben werden. Dann beginnt die nächste Runde. Gewonnen hat der Spieler, der nach 9 Runden auf seinem Wohlstandspfad am weitesten voran gekommen ist.

Gedanken zum Spiel

Ich interessiere mich ja auch immer sehr für die Themen der Spiele und deren Hintergründe. Und so habe durch dieses Spiel gelernt, dass Luoyang eine der “vier großen alten Hauptstädte Chinas” ist und unter mehreren Dynastien sogar als Hauptstadt von China fungierte. Im Jahr 25 n. Chr. wurde Luoyang Hauptstadt der Han-Dynastie und war es auch später unter der Wei- und Jin-Dynastie. Noch zweimal in der Geschichte war Luoyang Hauptstadt Chinas, ehe die Tang-Dynastie um das Jahr 620 seine Hauptstadt in das heutige Xi’an verlegte und so den Niedergang von Luoyang einläutete.

Heute ist sie eine Millionenstadt und ein Industriezentrum. Wie viele chinesische Millionenstädte ist sie in Europa kaum bekannt, hat aber über 6 Millionen Einwohner. Damit ist Luoyang fast doppelt so groß wie Berlin.

Unsere Meinung

mathiasAuf der Schachtel steht als Einordnung “Experte” und das trifft die Sache sehr genau. Trotz des eher wenigen Materials ist das Spiel wirklich ein taktisches Schwergewicht. Leider fühlte sich das Spiel für mich aber sehr wenig thematisch an sondern ist eher sehr trocken. Es findet auch kaum Interaktion zwischen den Spielern statt. Irgendwo habe ich gehört das Spiel würde Solo sogar am meisten Spaß machen. Das mag sein, widerspricht für mich aber völlig dem, weshalb ich Brettspiele spiele. Wenn ich Solo spielen möchte, dann habe ich am, Computer genügend Auswahl.

Für mich ist das Spiel leider staubtrocken und es entsteht eher der Eindruck einer Mathematik-Aufgabe. Und keine bei der man Spaß hat zu knobeln.

Möglicherweise liegt das an dem, was für mich das Hauptproblem des Spiels ist: es gibt nur eine Siegmöglichkeit. Jeder muss auf seiner Wohlstandleiste voran kommen und dafür gibt es nur einen Weg. Er muss mit dem verdienten Geld für den Fortschritt bezahlen. Und das macht das Spiel für meinen Geschmack leider sehr eindimensional. Die gesamte Runde verbringt man damit Waren zu verkaufen, Geld zu verdienen und damit am Ende seiner Runde den Wohlstand zu bezahlen. Einen Schritt kommt man immer vorwärts, den zweiten dann nur selten. In allen unseren Partien waren die Spieler am Ende nur wenige Felder voneinander getrennt. Das ist zwar recht spannend, führt aber auch dazu, dass es oft Gleichstände gibt. So wundert es auch nicht, dass in den Regeln extra erläutert wird was ein einem Fall von Unentschieden zu tun ist.

Spielmaterial und Artwork sind sehr schön. Die bunt gestalteten Karten machen Spaß und vermitteln einen Eindruck von Markt und dem Treiben auf einem solchen Markt. Die Gemüse-Plättchen aus Holz sind schön gestaltet und wertig. Insgesamt ist es aber auch nicht viel Spielmaterial und die Box dafür etwas überdimensioniert. Und es fehlen Inlays, so dass das Material einfach lose oder in Tüten in der Schachtel herum fliegt. Das geht deutlich besser.

Für mich ist Vor den Toren von Loyang leider eine Enttäuschung. Ich kehre dann doch lieber zu Caverna zurück, ein Rosenberg-Spiel dass ich sehr mag.

Mir gefällt dieses Spiel.

Ich mag die verschiedenen Möglichkeiten Geld zu erlangen. Die verschiedenen Möglichkeiten Dieses Geld zu investieren oder sie doch für die kleine Siegespunkteleiste auszugeben. Dennoch ist es sehr gradlinig, so das man nicht allzu lange über ZU viele verschiedene Möglichkeiten nachdenken muss. Damit ist der Spielfluss sehr schön durchgängig.

Für mich könnten es gerne noch mehr Kundenkarten geben aber auch das ist wahrscheinlich abgepasst so dass man sich überlegen muss ob man den Händler nimmt oder vielleicht noch was Besseres auf dem Markt erscheint.

Die Felder die man strategisch richtig bepflanzen muss um seine Kunden zu bedienen. Macht ein Mitspieler da schon ein Fehler kann dies bös ausgehen.

Ich finde das das Spiel schön aufgebaut ist und man auch schnell in Spielfluss hineinkommt.

Auch das Setting des Spieles, das alte China. Finde ich sehr schön umgesetzt und das Design und die Bilder sind nett gezeichnet.

Meiner Meinung nach ist das Spiel nicht ZU kompliziert und man kann es mit Spielneulingen spielen. Denn es ist auch schnell erklärt. Da man in den ersten Runden Wenig tun kann ist man und erst nach und nach mehr Möglichkeiten bekommt lernt man das Spiel also gut beim spielen.

Wirklich spannend ist es allerdings nicht.

Vor den Toren von Loyang (2009)
Anzahl der Spieler: 1 bis 4 Spieler
Spielzeit: 60 bis 120 Minuten
Altersstufe: 10+

Bewertung
Spielspaß
Spielmaterial
Artwork
Interaktion
Thema
Anleitung
Fazit
Ein Frühwerk mit vielen guten Ansätzen, dass am Ende aber nicht vollständig überzeugt. Wir bleiben bei den Nachfolgern.
72 %
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