Schatten über Camelot ist ein semi-kooperatives Spiel. Semi deswegen weil am Anfang des Spiels jeder Spieler eine Rollenkarte zieht. Dabei kann es sein, dass einer eine Verräter-Karte zieht. Es kann aber auch sein, dass alle loyal sind. Die Spieler wissen nur eben nicht was der Fall ist. Das gibt dem ganze Spiel eine Wendung ins paranoide. Das mag nicht jeder und wir lassen den Verräter auch manchmal bewusst weg. Aber mit einem geschickt handelnden Verräter hat das Spiel noch einmal einen ganz eigenen Dreh.

Schatten über Camelot ist bereits 2005 erschienen und ist derzeit auf deutsch offenbar vergriffen. Es wurde von den Spieleautoren Bruno Cathala und Serge Laget entwickelt und darf als Durchbruch für die beiden heute sehr bekannten Designer gelten.

Spielablauf

Ihr seid die Ritter der Tafelrunde und versucht Camelot auf der hellen Seite zu halten. Doch böse Schatten ziehen übers Land und in verschiedenen Questen versuchen die Ritter gemeinsam gegen das Böse anzukämpfen.

Die Ritter starten in der Burg Camelot und können an dieser Stelle weiße Handkarten ziehen, gegen die Belagerungsmaschinen ankämpfen oder zu anderen Questen augbrechen. Die Quest „der heilige Gral“ (der Leben Wiederherstellen kann) das Schwert Excalibur oder gegen den schwarzen Ritter kämpfen um eine Rüstung zu bekommen. Doch wird das Land noch von den Sachsen und den Pikten sowie von Belagerungsmaschinen und schwarzen Hexen wie Morgana bedroht.

Bevor der Ritter seine gute Tat vollbringen kann, muss jeder Spieler erst einmal dem Bösen einen Fortschritt bringen. Hierzu zieht er entweder eine schwarze Karte und führt aus was auf dieser steht, stellt eine Belagerungsmaschine nach Camelot, oder zieht sich selbst einen Lebenspunkt ab. Doch gibt es bei den weißen Karten auch helfende Hände wie z.B. Merlin oder die Frau im See.

Gewinnen kann man das Spiel indem man es schafft sieben weiße Schwerter nach Camelot zu legen. Diese bekommt man für die bestandenen Questen. Doch kommen sieben schwarze Schwerter nach Camelot oder ist das Feld vor der Burg voll gestellt mit Belagerungsmaschinen verliert man das Spiel.

Gedanken zum Spiel

Die Artus-Sage ist aus der Literatur, Musik, Film und allgemein der Kultur nicht wegzudenken. Es gibt unzählige Interpretationen in Filmen, Büchern und überhaupt der gesamten Popkultur. Sei es der Film King Arthur aus dem Jahr 2004, dem neuen Film von Guy Ritchie King Arthur: Legend of the Sword oder auch Die Ritter der Kokosnuß von Monty Python. Außerdem natürlich noch Bücher wie Die Nebel von Avalon von Marion Zimmer Bardley oder mehreren Buchreihen von Bernard Cromwell. So ist es also wirklich kein Wunder, dass auch im Bereich Brettspiele das Thema extrem populär ist und es eine Reihe von Umsetzungen gibt.

Zum Grundspiel gab es im Jahr 2008 noch die Erweiterung Schatten über Camelot: Merlins Macht. Die Erweiterung brachte die Merlin-Figur ins Spiel, die den Spielern helfen konnte. Aber auch neue Karten die zum Teil die Schwierigkeit extrem erhöht haben. Außerdem gab es Reisekarten die vor jeder Reise ziehen musste und die dazu führen konnten, dass eine Reise unterbrochen wurde. Im Jahr 2012 schließlich gab es eine Umsetzung des Spiels als Kartenspiel: Schatten über Camelot – Das Kartenspiel.

Schatten über Camelot war nicht das erste kooperative Spiel. Bereits Anfang der 80er Jahre gab es mit Sherlock Holmes Consulting Detective ein kooperatives Spiel und auch danach sicher noch einige die ich nur nicht kenne. Aber es hat das Genre der Kooperativen Spiele sicher deutlich bekannter gemacht und den heutigen Hype vielleicht etwas mit ausgelöst.
Tatsächlich erfunden haben die Autoren aber wohl den Verrätermechanismus (dazu hier übrigens ein tolles Video). Etwas, dass es meines Wissens vorher in keinem kooperativen Spiel gab. Das war eine wirkliche Innovation und macht auch heute noch die Spieler kooperativer Spiele vollkommen paranoid und erhöht für manche ganz erheblich den Spielspaß.

Unsere Meinung

Was soll ich sagen? Ich liebe dieses Spiel. Zugegeben hat das auch “historische” Gründe. Denn vor einigen Jahren waren es unter anderem einige Partien dieses Spiels die mich zum Thema Brettspiele (zurück) gebracht haben. Ich wurde angefixt und fing dann schnell an öfter zu spielen und selber Spiele zu kaufen. Schatten über Camelot konnte ich damals gar nicht oft genug spielen. Und bald hatte ich auch Melanie damit angesteckt. Das Konzept gemeinsam gegen des Brett oder Spiel zu spielen war wirklich ein Aha-Erlebnis. Das hat mich umgehauen. So etwas hatte ich, der mit Risiko und dem nicht minder alten Wild Life aufgewachsen ist, noch nicht erlebt. Es wurde debattiert, gelitten und geflucht. Aber eben auch zusammen gejubelt und Erfolg gehabt. So ein Wir-Gefühl hatte ich bei einem Spiel noch nie. Großartig.

Und dann noch der Verrätermechanismus. Ich muss zugeben, öfter spielen wir ohne. Aber wenn ein Verräter dabei ist (oder sein könnte), dann wird es ganz wild. Ein Freund von mir wird heute noch wegen einer Partie aus dieser Anfangszeit gerne mit “Ach, da kommt der Verräter” begrüßt. So tiefe Eindrücke, dass man noch nach Jahren darüber spricht, haben selten einzelne Spiele. Spielerisch war und ist es also ein absoluter Volltreffer.

Ich finde das Spiel thematisch sehr schön umgesetzt. Die Questen auf auf die die Ritter gehen, die Suche nach dem Heiligen Gral oder dem Schwert Excalibur. Die Invasion der Pikten oder Sachsen, alles fügt sich sehr schön ein und ergibt ein ziemlich rundes Gesamtbild. Wer denn da nun gerade Camelot belagert und warum die Ritter die belagerte Burg wieder verlassen, das sind dann eher nebensächliche Fragen die das harmonische Bild nicht stören. Das Artwork sieht großartig aus. Im Stil ein wenig so, dass es an mittelalterliche Malerei erinnert und damit ebenfalls voll im Thema.

Die Interaktion der Spieler untereinander ist naturgemäß der Kern des Spiels und seine absolut Stärke. Natürlich muss man auch in diesem Spiel, wie in den meisten kooperativen Spielen, aufpassen, dass nicht einer der Spieler die Kontrolle an sich reißt und allen anderen sagt was sie tun sollten. Das ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr und alle gemeinsam sollten darauf achten nicht in diese Falle zu tappen. Aber wenn man das vermeidet, hat man hier ein fantastisches “Wir gegen das Brett”-Gefühl.

Alles in allem für mich ein tolles Spiel. Absolut in meinen Top Ten aller Zeiten.

Ich mag das Setting und das Design dieses Spieles sehr. Die Miniaturen (insgesamt 70) sind liebevoll gestaltet und der gesamte Spielplan ist groß bunt und stimmungsvoll. Auch die Texte der Karten und der Charaktere sind schön und holen den Spieler in die richtige Stimmung.
Das Thema der Artus-Sage wird gut aufgegriffen, wir finden die Dame am See wieder und jeder Ritter sowie König Artus selber haben Spezialkräfte die dabei helfen das Spiel zu gewinnen. Und in der größten Not haben wir Merlin.

Die Möglichkeit mit einem oder mehr Verräter zu spielen ist grandios und macht das Spiel schön paranoid. Man hat von Beginn des Spieles an den Eindruck das man schon in der Klemme steckt. Und man denkt, dass man mehr dafür tut das Spiel zu verlieren als zu gewinnen. Man diskutiert und versucht gemeinsam einen Weg zu finden.

Die etwas lange Spieleanleitung ist dennoch gut verständlich und hat man jemanden dabei der das Spiel schon kennt benötigt man nur einige Minuten und die erste Spielrunde damit jeder Anfänger das Spiel verstanden hat. Daher ist er für eine Spielrunde mit neu Einsteigern immer eine gute Wahl.
In der Erweiterung kommen noch weitere Ritter hinzu und auch Merlin spielt eine wichtigere Rolle. Denn wenn er mit euch reist kann er euch helfen einen Quest zu bestehen. Doch kann es auch das Reisen erschweren und man sitzt in der Burg fest.

Ich mag das Spiel. Kommunikation, miteinander Pläne entwickeln, Intrigen spinnen (bei der Verräter-Variante) und doch kann man allein helfen in dem man sich auch alleine an einer Quest bedient oder einfach die Belagerungsmaschinen entfernst.
Ein tolles kooperatives Spiel. Es hat meiner Meinung nach alles was man braucht.

Schatten über Camelot (2005)
Anzahl der Spieler: 3 bis 7 Spieler
Spielzeit: 60 bis 80 Minuten
Altersstufe: 10+

 

Bewertung
Spielspaß
Spielmaterial
Artwork
Interaktion
Thema
Anleitung
Fazit
95 %
User Wertung 4.83 ( 2 Stimmen)
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