raptor-boxZwei-Personen-Spiele haben es bei mir nicht leicht. Meistens sind sie nicht mein Fall. Da spricht nicht gegen die Spiele. Es ist einfach mein Geschmack. Ich spiele gerne, weil ich den Austausch mit Menschen dabei mag. Und der fällt bei Zwei-Personen-Spielen meist schlicht aus. Entweder ist der eine am Zug oder der andere. Da kommt es während des Spiels nicht zu viel Austausch. Manchmal begeistert mich ein Zwei-Personen-Spiel aber auch richtig. 7 Wonders Duel war da nah dran. Und nun haben wir Raptor ausprobiert.

Raptor ist ein sogenanntes asymmetrisches Spiel. Sprich, beide Spieler haben nicht die selben Elemente und Aktionen. Sie können während ihrer Züge unterschiedliche Dinge tun und sie haben unterschiedliche Ziele. Die Forscher wollen die Raptor-Babys fangen und/oder die Mutter betäuben. Die Raptoren wollen die Forscher fressen und/oder den Babys zur Flucht verhelfen.

Spielablauf

Der Spielplan wird aus insgesamt 10 Plättchen jedes Mal etwas anders zusammen gesetzt. Außerdem können auch noch Vorder- und Rückseite genutzt werden. Abwechslung ist so also sichergestellt.

raptor-figurenZu Beginn des Spiels platziert der Raptorspieler seine Figuren auf den sechs großen Feldern. Danach platziert der Forscherspieler vier Forscher auf den vier Randfelder. Und schon kann es losgehen. Beide Spieler haben 9 Karten mit unterschiedlichen Aktionen. Beide wählen aus drei Handkarten gleichzeitig aus, welche Aktion sie durchführen wollen und dann decken sie gleichzeitig die jeweilige Karte auf. Ausgeführt wird nur die Aktion der jeweils niedrigeren Karte. Der andere Spieler bekommt so viele Aktionspunkte wie sein Kartenwert über dem Wert des Spielers mit der niedrigeren Karte liegt. Dann werden die Karten abgelegt und es geht von vorne los.

Gewonnen hat natürlich, wer sein Ziel zuerst erreicht. Also drei Babys vom Spielplan zu bringen oder die Forscher zu fressen. Oder eben die Raptormutter betäuben oder drei Babys einfangen.

Gedanken zum Spiel

raptor-kartenHeute kennt jeder Raptoren. Sie sind quasi der Inbegriff für gefährliche Dinosaurier. Bis 1993 kannte sie aber quasi niemand. In der Populärkultur tauchten sie erstmals im Roman “Dino Park” von Michael Crichton und natürlich in der folgenden Verfilmung “Jurassic Park” auf. Heute haben sie den Tyrannosaurus Rex als Synonym für Saurier so gut wie abgelöst.
Heute gibt es Festplatten, Achterbahnen und Sportteams die nach dem Räuber aus der Urzeit heißen. Und eben auch Brettspiele.

Wie ich oft genug erwähnt habe ist Bruno Cathala einer meiner absoluten Lieblingsdesigner. Dieses Spiel hat er zusammen mit dem ebenfalls großartigen Bruno Faidutti entwickelt. Dabei ist es bei weitem nicht ihr erstes gemeinsames Brettspiel. Unter anderem haben sie bereits vor Jahren Aufbruch zum Roten Planeten gemeinsam erfunden.

Übrigens steht der Spielregel ein Abschnitt voran in dem ein Professor Lidenbrock von einer unbewohnten Insel erzählt auf der ein Raptor lebt. Professor Lidenbrock ist die Hauptfigur aus dem Roman “Die Reise zum Mittelpunkt der Erde” von Jules Verne. Und in diesem Buch entdeckt der Professor auf seiner Reise ebenfalls Saurier. Bei einem französischen Designer-Duo ist so etwas wohl kein Zufall und ich liebe solche Insider-Gags.

Unsere Meinung

mathiasEs ist eindeutig eines dieser Spiele die ganz einfach klingen und dann doch schwer zu meistern sind. Kurz die Anleitung überfliegen und loslegen. In der ersten Partie sind einem die einzelnen Aktionen noch nicht vertraut. Aber spätestens in der zweiten Partie hat man es dann drauf und es entwickelt sich ein großartiges Katz-und-Maus-Spiel. Man merkt plötzlich wie entscheidend es ist, wie man die Figuren aufstellt, warum die Berge so sinnvoll sind und was es mit den Feuern auf sich hat. Faszinierend wie in einer so kleinen Packung und einem eigentlich so simplen Spiel so viel Taktik stecken kann.

Die Forscher- und Raptoren-Figuren sind wunderbar gestaltet. Auch das Artwork von Vincent Dutrait ist wieder fantastisch. Die Bilder sehen nicht nur toll aus, sie sind aich sehr stimmungsvoll und versetzen einen in die Spielsituation.

Raptor ist dabei auch sehr thematisch. Man merkt es ja daran, wie man im Spiel redet. Hier werden keine Meeple gesetzt, sondern Dinge gesagt wie “Mit diesem Raptor ziehe ich dort hin” oder “Dieser Forscher fährt da hin”. Ich finde es immer toll, wenn es ein Spiel schafft uns in die Spielwelt zu transportieren. Das gelingt hier.

Ein kleiner Schnitzer ist leider beim Spielmaterial passiert. Auf dem Forscher-Spielerbogen steht unter den Erklärungen der Möglichkeiten bei Aktionspunkten “Ein Wissenschaftler fängt ein Raptorbaby”. Sonst steht überall Forscher und da es verschieden geformte Forscher-Figuren gibt, waren wir unsicher ob es auch verschiedene Rollen gibt. Aber es scheint sich wohl nur um einen Druckfehler zu halten, denn nirgends anders im Spiel wird von “Wissenschaftlern” gesprochen.

melanie

Raptor ist ein sehr strategisches Spiel. Man hat nicht unendlich viele Möglichkeiten sondern nur eine begrenzte Auswahl. Daher muss man  sich wohl überlegen welche Karte man nun spielen möchte. Auch überlegt man welchen Zug der Gegenspieler als nächstes tun könnte und plant, welche Züg man als übernächstes machen will. Diese Art Züge zu planen erinnert mich an Schach und doch ist es völlig anders da beide Spieler nicht die selben Möglichkeiten besitzen.

Ich mag das Spiel sehr gerne. Bisher haben in meinen Spielpartien immer die Forscher gewonnen. Ich frage mich ob die Raptoren einfach generell einen Nachteil haben, oder derjenige der die Raptoren gespielt hat (jeder hat dies mal getan) einfach schlecht gespielt hat. Ich werde mir mal eine kleine Statistik anlegen.

Was ich wirklich schön finde sind Spiele die man sofort spielen kann. Die Anleitung ist schnell gelesen und alles weitere steht auf dem Spielerbogen beschrieben um es während dem Spiel nochmal durchzulesen. Also zum Starten sehr schnell. Was ich auch mag sind Spiele wo man schnell spielen kann und nicht lange Leerlauf ist. Je nachdem welchen Gegner man hat  kann es aber doch zu Leerlauf kommen weil der Gegenüber lange seinen nächsten Zug überlegen muss. Doch mit meinen Freund sind die Runden sehr schnell gespielt. Je ausgeglichener der Gegner ist kann das Spiel gerne über die 25+ Spielminuten kommen und es wird sehr spannend. Bei einem ungleichen Spiel hat man sehr schnell gewonnen oder verloren. Dennoch regt das Spiel dazu an es immer wieder spielen zu wollen um besser zu werden und mal über eine andere Art zu gewinnen und seine Strategie zu verändern.

Die einzelnen Figuren der Raptoren und der Forscher sind sehr schön gestaltet. Dagegen sind die Felsen eher plump. Auch die Spielkarten sind nett bemalt wobei mir die Kreativität auf den Spielplanplättchen wieder etwas fehlt.

Raptor (2015)
Anzahl der Spieler: 2 Spieler
Spielzeit: 25 Minuten
Altersstufe: 10+

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Bewertung
Spielspaß
Spielmaterial
Artwork
Interaktion
Thema
Anleitung
Fazit
Ein großartiges Spiel und aktuell sicher unser absolutes Lieblings Zwei-Personen-Spiel.
90 %
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Ein Kommentar

  1. Garfield

    18. Dezember 2016 at 16:08

    Gute Rezension. Wir spielen das Spiel auch immer gerne.

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