Die Schützengräben in Frankreich und namentlich die bei Verdun während des Ersten Weltkrieges müssen ein Horror jenseits jeder Vorstellung gewesen sein. Im nächsten Jahr jährt sich das Kriegsende von 1918 nun zum 100. Mal. Ein perfekter Anlass auch einmal mit einem Spiel an diese furchtbare Zeit zu erinnern. Dieser schweren Aufgabe widmet sich nun das Kartenspiel Les Poilus.

Wir folgen mehreren Freunden die nach der Generalmobilmachung für Frankreich in den Krieg ziehen und den Horror von Giftgas, Granaten, Stacheldraht und Schützengräben irgendwie zu überleben. Daher die Frage auf der Packung: „Ist die Freundschaft stärker als der Krieg?“.

Spielablauf

Les Poilus ist ein kooperatives Kartenspiel. Natürlich kooperativ, denn nur gemeinsam lässt sich der Krieg überleben. Jeder Spieler übernimmt die Rolle eines Soldaten aus der Gruppe der Freunde und gemeinsam versuchen die Spieler am Leben zu bleiben und heil nach Hause zu kommen.

Gemeinsam gehen die Spieler in Einsätze die daraus bestehen Karten auszuspielen die sie vorher gezogen haben. Wie viele Karten sie ziehen bestimmt der jeweilige Einsatzleiter unter den Spielern. Dann müssen diese Karten ausgespielt werden ohne in der Auslage bestimmte Konstellationen von Karten zustande kommen zu lassen. Auf den Karten sind dabei sechs verschiedene Bedrohungen abgebildet. Je eine Umgebungsbedrohung (Nacht, Regen und Schnee) und eine Waffenbedrohung (Granate, Giftgas und Pfeife die für das Signal zum Angriff steht). Von keiner Bedrohung dürfen mehr als zwei in der Auslage liegen, denn sonst scheitert der Einsatz. Dennoch müssen möglichst alle Karten die die Spieler zu Anfang des Einsatze auf die Hand nehmen ausgespielt werden.

Darüber hinaus haben die Spieler noch die Möglichkeit ihre persönlichen Glücksbringer zu spielen, den Kameraden durch einen Aufruf Mut machen oder sich aus dem Einsatz zurück zu ziehen und den anderen Rückhalt geben.

Gemeinsam gewonnen haben die Spieler, wenn alle Karten abgelegt wurden und die Friedenskarte sichtbar wird. Gemeinsam verloren haben die Spieler, wenn am Ende des Einsatzes einer der Spieler vier oder mehr Symbole „Schwerer Schlag“ vor sich liegen hat, die man im Einsatz abbekommen kann.

Gedanken zum Spiel

Die Schlacht bei Verdun dauerte von Februar bis Dezember 2016 und endete ohne wesentliche Verschiebung des Frontverlaufs. Sie war die grausamste und verlustreichste Schlacht des Ersten Weltkrieges. Pro Stunden gingen geschätzte 10.000 Granaten und Minen nieder. Die Schlacht endete mit etwa 380.000 Toten, Vermissten oder Verwundeten auf beiden Seiten.

Die Macher haben es sich nach eigener Aussage zur Aufgabe gemacht die Spieler einige der Schwierigkeiten zu verdeutlichen die die Soldaten zu bestehen hatten um den Krieg zu überleben. Dabei sind einige der Figuren im Spiel an reale Personen angelehnt. Einige seien die Großväter von Leuten die an dem Spiel mitgearbeitet haben. So sei das Spiel auch eine Verneigung vor denen, die diese tragische Zeit erleben mussten.

Tragisch ist, dass der Zeichner dem wir die Illustration dieses Spiels verdanken bei dem terroristischen Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ am 7. Januar 2015 ermordet wurde.

Les Poilus ist übrigens eine umgangsprachliche für die französischen Frontsoldaten des Ersten Weltkrieges. Wörtlich heißt es so viel wie „die Behaarten“.

Unsere Meinung

mathiasEin Spiel um das Grauen des Krieges zu verdeutlichen ist ein ehrgeiziges Ziel. Aber es ist hier sehr gut gelungen. Durch das Ausspielen der Karten müssen die Gefahren abgehandelt werden. Die Soldaten erleben also die Gefahren und können sie nur gemeinsam überstehen. Manchmal sind die Gefahren aber zu groß, dann hilft nur der Rückzug. Und wenn dann alle überlebt haben und die Friedenskarte erscheint, dann breitet sich Erleichterung aus und wir haben den Krieg überstanden.

Selten habe ich ein Kriegsthema so gut und so wenig reißerisch umgesetzt gesehen. Dadurch ist dieses Spiel wirklich jedem zu empfehlen. Vor allem mit Jugendlichen kann ich mir das sehr gut vorstellen.

Das Material ist wirklich besonders liebevoll gestaltet. Im Deckel und Boden der Schachtel sind Illustrationen die nicht nötig wären, die aber zur Stimmung beitragen und so zeigen wie viel Mühe man sich mit dem Spiel gegeben hat. Auf der Vorderseite der Anleitung sieht man die Gruppe von Soldaten und auf der Rückseite dann die selbe Gruppe von jungen Männern in Friedenszeiten. Das ist alles wirklich wunderschön gemacht. Die Zeichnungen von Tignous sind dabei sicher Geschmackssache, aber ich mag sie sehr. Die Anleitung ist ebenfalls gut gestaltet.

Die Interaktion zwischen den Spielern ist wie bei jedem kooperativen Spiel natürlich auch hier entscheidend. Genau dadurch entsteht das Gefühl eben gemeinsam in der Klemme zu stecken und nur gemeinsam dort wieder heraus zu kommen.

Für mich ein tolles Spiel dass sich ein großes Ziel setzt und dieses auch erreicht. Daumen hoch. Und zu Recht aktuell auf der Empfehlungsliste zum Kennerspiel des Jahres 2017.

Les Poilus (2015)
Anzahl der Spieler: 2 bis 5 Spieler
Spielzeit: 30 Minuten
Altersstufe: 10+

Bewertung
Spielspaß
Spielmaterial
Artwork
Interaktion
Thema
Anleitung
Fazit
Ein sehr gelungenes Anti-Kriegsspiel, dass nicht nur Spielspaß bietet, sondern auch zum Nachdenken anregt.
87 %
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