kanagawa-box

Meister Hokusai hat im Jahr 1840 beschlossen eine Malschule zu eröffnen. In Kanagawa, der großen Bucht von Tokio. Und in diesem Spiel sind wir seine Schüler, die diese Schule besuchen um vom Meister zu lernen, unser Atelier zu erweitern und ein großer Landschaftsmaler zu werden. Dabei ist es immer wieder unsere Entscheidung ob wir länger in der Schule bleiben und so unsere Fertigkeiten verbessern oder lieber schneller in unser Atelier zurückkehren und an unserem Panoramagemälde weiter arbeiten.

Erst seit kurzem veröffentlicht der Spieleverlag Iello seine Spiele nicht mehr bei Heidelberger, sondern ist in Deutschland selber aktiv. Kangawa ist dabei eines der ersten Spiele, dass unter dem eigenen Label erscheint. Neben anderen Neuheiten wurde es in Essen bei der SPIEL16 am Stand von Iello präsentiert und wusste dort zu gefallen.

Die beiden Autoren des Spiels sind Bruno Cathala und Charles Chevallier. Beide haben schon das Spiel Abyss gemeinsam entwickelt. Die wunderschönen Grafiken stammen von der Schweizerin Jade Mosch. Sie war mir bisher nicht bekannt, hat hier aber wirklich eine wunderbare Erstlings-Arbeit abgeliefert.

Spielablauf

kanagawa-schoolDas Zentrum des Spiels ist der Schulbogen. Dort werden jede Runde vier Lektionskarten teils offen und teils verdeckt abgelegt. Jeder Schüler muss nun, beginnend mit dem Startspieler, entscheiden ob er die ausliegenden Karten nimmt oder noch eine Runde abwartet. Wenn er Karten nimmt, dann muss er die Karten einer ganze Spalte nehmen. Verlässt er nach einer Runde die Schule, dann nimmt er eine Karte, hat aber die Auswahl. Wartet er bis zum Schluss, kann er drei Karten mitnehmen, muss aber gegebenenfalls mit dem Vorlieb nehmen, was die anderen übrig gelassen haben.

Haben alle Spieler die Schule verlassen und ihr jeweiliges Gemälde erweitert endet die Runde. In der nächsten Runde kehren alle zur Schule zurück und es beginnt eine neue Lektion mit neuen Karten.

kanagawa-paintingHat man sich Karten genommen und die Schule verlassen, dann muss man die Karten auch benutzen. Man hat dann die Wahl mit der farbigen Seite sein eigenes Landschaftsgemälde zu erweitern oder mit der braunen Seite seine Farbpalette und sein Atelier zu verbessern. Malen und damit die Karte seinem Gemälde hinzufügen kann man aber nur, wenn man die unten auf der Karte aufgedruckten Farben auch im Atelier hat. Auf die entsprechenden Farbe muss man dann seinen Pinsel nutzen um sie zu benutzen. Aber zu Anfang des Spieles hat man nur zwei Pinsel. Weitere kann man sich durch bessere Ausstattung des Ateliers ebenfalls dazu verdienen.

Wichtig ist natürlich nun noch das Motiv. Jede der Karten gehört zu einer Jahreszeit (oder ist eine Sturm-Karte). Jede Karte hat auch ein Hauptmotiv. Entweder einen oder mehrere Bäume, Häuser, Menschen oder Tiere. Womit wir unser Gemälde füllen bestimmt, wie viele Punkte wir am Ende bekommen. Denn sobald einer oder mehrere der Malschüler 11 Karten an ihr Gemälde angelegt haben, endet das Spiel und es beginnt die Endabrechnung.

kanagawa-tilesHier erhält erst einmal jeder Punkte für die Anzahl der Karten aus denen sein Gemälde besteht. Dann noch einmal Punkt für die Anzahl der Karten mit der selben Jahreszeit, die er hintereinander gereiht hat. Und nun kommen die Diplomplättchen zum tragen. Denn immer während des Spiels, wenn man eine Bedingung erfüllt hat, die auf einem der Diplomplättchen abgebildet ist, kann derjenige entscheiden ob er das entsprechende Plättchen nimmt. Jeder Spieler darf nur EIN Diplomplättchen von jeder Sorte nehmen. Hat man also das niedrigste genommen, sind die anderen nicht mehr verfügbar. Man darf ein Diplomplättchen auch immer nur genau dann nehmen, wenn man die Bedingung erfüllt hat. Nicht im Nachhinein.
Hat man also eben nach dem Eber nun auch den Hirsch gemalt, dann kann man sich das entsprechende Diplomplättchen nehmen und damit drei Siegpunkte kassieren. Man kann aber auch spekulieren den Schmetterling auch noch malen zu können und somit gleich sieben Siegpunkte zu bekommen.

Wer am Ende die meisten Siegpunkt hat, der gewinnt das Spiel und ist Meister Hokusais Meisterschüler.

Gedanken zum Spiel

kanagawa-cardsDas Material dieses Spieles ist wirklich sehr schön. Die Schulmatte ist aus Bambus und die wenigen Spielfiguren aus Holz. Besonders auffällig ist aber das wunderbare Artwork von Jade Mosch. Es macht das Spiel zu einem kleinen Kunstwerk.

Spiele von Iello sehen meistens sehr gut aus. Aber im allgemeinen haben heutige Brettspiele auch optisch nichts mehr mit Mensch ärgere dich nicht oder Monopoly zu tun. Dafür ist Kanagawa ein hervorragender Beleg. Wenn ihr Freunde habt die noch nicht spielen und  die optisch anspruchsvoll sind, dann schenkt ihnen doch dieses Spiel. Es wird sie sicher begeistern.

The Great Wave off Kanagawa, Katsushika Hokusai
The Great Wave off Kanagawa, Katsushika Hokusai

Übrigens ist Meister Hokusai keine Erfindung. Er lebt im 19. Jahrhundert in Japan und unterrichtete tatsächlich Schüler in der Zeichenkunst und der Kunst des Holzschnitts.

Unsere Meinung

mathiasSpätestens seit Schatten über Camelot bin ich ein großer Fan von Bruno Cathala. Es gehört genauso zu meinen Lieblingsspielen wie Five Tribes. Daher habe ich auf der SPIEL16 versucht die Neuheiten von Cathala anzuspielen. Und Kanagawa war für mich die große Überraschung. Ich hatte von einem Kartenspiel nicht viel erwartet und wurde wirklich überrascht. Es hat eine erstaunliche taktische Tiefe, die mir wirklich Spaß macht und sieht einfach toll aus. für mich eine der Überraschungen der Messe. Ich hatte es nicht auf meiner (langen) Liste und habe es dennoch gleich gekauft.

melanieIch hatte sofort Spaß als wir das Spiel auf der Messe gespielt haben. Die Mischung aus Taktik, Interaktion mit den Mitspielern und schöner Grafik hat mich wirklich angesprochen. Wir haben das Spiel direkt am Abend noch Freunden gezeigt und es nach der Rückkehr gleich wieder gespielt. Eine echte Empfehlung.

Kanagawa (2016)
Anzahl der Spieler: 2 bis 4 Spieler
Spielzeit: 45 Minuten
Altersstufe: 10+

Bewertung
Spielspaß
Spielmaterial
Artwork
Interaktion
Thema
Anleitung
Fazit
Hervorragendes kleines Spiel mit fantastischem Artwork und erstaunlicher taktischer Tiefe.
83 %
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2 Kommentare

  1. HMS Dolores - Brettspielregal

    6. November 2016 at 20:38

    […] Wie ein kleines Spiel viel mehr Substanz bieten kann, hat dabei gerade eben Bruno Cathalla mit Kanagawa gezeigt. Ich wollte wirklich dass mir das Spiel besser gefällt. Aber es war am Ende nur so la […]

  2. […] steckt doch schon einiges an taktischen Entscheidungen darin. Eine ausführliche Rezension gibt es hier. Das Spiel sieht wunderschön aus, ist schnell erklärt und man kann daher auch schnell los […]

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