hmsdolores-boxIrgendwann zur Zeit der Piraten und großen Handelsschiffe läuft der spanische Schoner Dolores an der britischen Küste auf Grund. Schuld ist aber nicht ein Fehler der Mannschaft oder ein betrunkener Kapitän, Schuld sind falsche Leuchtfeuer die Strandpiraten an der felsigen Küstenlinie entzündet haben.
Nun ist das Schiff mit seiner wertvollen Ladung gestrandet und die Piraten machen sich auf die Beute zu sichern, ehe die Ordnungshüter sie erwischen. Damit es dabei nicht zu Streit kommt, haben die Piraten einen Codex ausgearbeitet nach dem sie die Beute verteilen.

Spielablauf

FlaschenpostkartenEs gibt 70 Warenkarten in sieben verschiedenen Kategorien. Jede Kategorie bildet damit ein Set. Dazu noch 10 Flaschenpostkarten. Abhängig von der Zahl der Mitspieler erhalten alle Beteiligten 2, 3 oder 4 Startkarten. Diese Karten legt jeder Spieler vor sich aus. Sie sind seine Beute. Nun zieht der Kartengeber vier Karten. Mit diesen Karten beginnt das erste Verteilungsduell zwischen dem Kartengeber und dem Spieler zu seiner Linken.

dolores-kurzinfoDie vier gezogenen Karten werden paarweise ausgelegt. Zwei vor dem Kartengeber, zwei vor seinem Kontrahenten. Diese Karten sind die Beute um die das Verteilungsduell steigt. Das Duell an sich besteht aus einer Art „Schere, Stein, Papier“. Jeder Spieler hat drei Gesten zur Verfügung. Die offene Hand, die Faust oder der Daumen nach oben. Je nachdem welche Kombination die beiden Gesten der Spieler ergeben, wird das Duell gewertet:

 

  • beide eine offene Hand: beide nehmen die beiden jeweils vor sich liegenden Karten
  • offene Hand gegen Faust: der Spieler der die Faust zeigt nimmt alle vier Karten
  • Faust gegen Faust: alle vier Karten werden abgeworfen
  • Daumen hoch gegen offene Hand: der Spieler der den Daumen zeigt nimmt sich eine Karte seiner Wahl, der andere Spieler die eine oder beide Karten die vor ihm liegen
  • Daumen hoch gegen Faust: der Spieler der den Daumen zeigt nimmt sich eine Karte seiner Wahl, der andere Spieler alle anderen Karten
  • beide den Daumen hoch: alle vier Karten werden abgeworfen, beide Spieler müssen sein Set aus ihrer Ablage abwerfen

Beide Spieler dürfen vorher darüber reden was sie tun werden und Absprachen treffen. Daran gebunden ist dann aber niemand. Schließlich sind wir Piraten!

Die Flaschenpostkarten werden genauso verteilt wie die Warenkarten. Jeder Flaschenpostkarte löst ein Sonderereignis aus. Der Besitzer kann dieses Ereignis von Fall zu Fall auslösen oder er muss es sogar. Wann er sie einsetzt, hängt von der Karte ab. Nach der Nutzung der Karte wird sie abgeworfen.

WarenkartenDas Spiel endet, wenn die am Anfang unter die letzten Karten gemischte Sonnenaufgangskarte gezogen wird. Nun ermittelt jeder Spieler seine Siegpunkte. Jeder berechnet den Gesamtwert aller Karten die vor ihm liegen, indem er die Werte der Karten jedes Sets addiert. Nur das jeweils wertvollste und der wertloseste Set werden gewertet. Aber bei Gleichstand um das wertvollste und wertloseste Set eines Spielers werden ALLE diese Sets gewertet. Sollten sogar alle Sets die der Spieler vor sich liegen hat den selben Wert haben, so wird der Gesamtwert noch verdoppelt. Sie gelten sozusagen als wertvollste UND wertloseste Sets. Am Ende gewinnt der Pirat, der die meisten Punkte hat.

Gedanken zum Spiel

HMS Dolores ist die erste Kooperation von Bruno Faidutti und Eric M. Lang. Wie Faidutti in seinem Blog erzählt, begann die Geschichte des Spiels im Hotel Atlantic in Essen während der SPIEL13. Beide Designer trafen sich beim Frühstück und unterhielten sich dort erstmals. Bald kam das Gespräch auf das Gefangenendilemma, über das beide schon immer ein Spiel entwickeln wollten wie sich schnell zeigte. Das Gefangenendilemma ist ein mathematisches Spiel aus der Spieletheorie. Es geht wie folgt:

Zwei Verbrecher werden von der Polizei festgesetzt. Vor der Gerichtsverhandlung wird beiden ein Geschäft vorgeschlagen:
Wenn einer gesteht und seinen Komplizen belastet, wird er frei gelassen, seinem Komplizen blühen dann jedoch 10 Jahre.
Belasten sich beide gegenseitig, kann das Gericht beide verurteilen und beide erhalten je 5 Jahre.
Halten beide dicht, kann nur ein Indizienprozess geführt werden und sie werden mit je 6 Monaten davonkommen.

Es wählen beide die selbe Strategie: Sie verraten ihren Komplizen und kriegen zusammen 10 Jahre aufgebrummt (2×5), obwohl sie mit Schweigen zusammengerechnet nur 1 Jahr hätten absitzen müssen (2×0,5). Diese Situation beschreibt einen Zustand in dem eine optimale individuelle Strategie zu einem Resultat führt, welches in der Gesamtsicht, nicht optimal ist.

Schnell hatte sich aus dieser Grundidee das vorliegende Spiel entwickelt. Allerdings nur als abstraktes Design, denn ein Thema zu finden erwies sich dann noch als schwierig. Am Ende einigte man sich aber auf das vorliegende Thema der Strandpiraten.

Übrigens wird es nicht bei dieser einen Kooperation bleiben. Die beiden Designer arbeiten bereits an ihrem zweiten gemeinsamen Spiel. Allerdings ist über Secrets noch kaum etwas bekannt.

Unsere Meinung

mathiasAls wir das Spiel gespielt haben, kannte ich die Entstehungsgeschichte nicht. Aber  rückblickend muss ich sagen, dass sie zum Spiel passt. Faidutti und Lang sind zwei große Namen in der aktuellen Designer-Szene. Dieses Spiel fühlt sich aber irgendwie an, als wäre es nur eine Fingerübung gewesen. Es gab eine nette Idee, ein gemeinsames Interesse an einem Thema und daraus wurde ein Spiel. Sehr viel Substanz ist da leider nicht dahinter. Ich fand es nett, aber leider eben auch nicht mehr. Man spielt immer wieder „Schere, Stein, Papier“, teilt die Beute auf und gelegentlich kommt eine Flaschenpostkarte zum Einsatz. Viel Spannung kommt da nicht auf. Auch Strategie gibt es leider wenig.
Dabei ist das Thema wirklich gut umgesetzt. Man kann sich gut vorstellen wie ein paar Piraten am Strand um die Beute feilschen und sie sich etwas ausgedacht haben um Blutvergießen zu vermeiden. Auch optisch sind die Karten toll. Der Designer Vincent Dutrait hat hier sehr stimmungsvolle Waren- und Flaschenpostkarten geschaffen. Am Ende bleibt aber alles recht dünn. Wie ein kleines Spiel viel mehr Substanz bieten kann, hat dabei gerade eben Bruno Cathalla mit Kanagawa gezeigt. Ich wollte wirklich dass mir das Spiel besser gefällt. Aber es war am Ende nur so la la.

melanieIch finde das Spiel lustig. Ich freue mich schon drauf dieses Spiel mit meinen Neffen zu Spielen. Er selbst ist großer Piraten-Fan und die lustigen Handgesten und kleinen Neckereien während des Spiels sind genau richtig. Da das Spiel auch nur 10-20 min dauert ist es ein toller Starter für ein Spieleabend oder ein kleiner Absacker nach einem langen Spieleabend. Richtig schön und einfallsreich finde ich nicht nur die hübschen Karten sondern auch die Seeräubertexte mit denen die Spielbox verziert ist.

HMS Dolores (2016)
Anzahl der Spieler: 2 bis 4 Spieler
Spielzeit: 10-20 Minuten
Altersstufe: 10+

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Bewertung
Spielspaß
Spielmaterial
Artwork
Interaktion
Thema
Anleitung
Fazit
74 %
User Wertung 0 Sei der Erste!
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